Systemische Behandlung

Systemische Behandlung (auf den ganzen Körper wirkend)

Eine systemische Therapie kommt häufig zum Einsatz, wenn eine lokale Behandlung des Tumors nicht ausreicht oder möglich ist. Das ist in aller Regel der Fall, wenn der Leberkrebs in andere Organe, Gewebe oder Knochen gestreut hat oder der Tumor die Leberkapsel (Gewebe, das die Leber umhüllt) durchbrochen hat. Eine systemische Therapie bekämpft demnach auch die Tumore außerhalb der Leber.

Ziele der systemischen Therapie sind beispielsweise, die Blutversorgung der Tumore einzuschränken, ihre Zellteilung (Wachstum) zu verhindern oder sie zu verlangsamen. Eine vollständige Heilung ist mit dieser Therapieform in aller Regel nicht möglich.

Es gibt verschiedene Wirkstoffe, die bei einer systemischen Therapie zum Einsatz kommen können. Dabei gibt es unter den Wirkstoffen eine Art Rangfolge. Diese Rangfolge gibt vor, welcher Wirkstoff als erstes therapeutisch eingesetzt werden soll. Diese erste Wahl wird als „Erstlinientherapie“ bezeichnet. Aktuell stehen für die Erstlinientherapie die Wirkstoffe Sorafenib und Levatinib zur Verfügung.

Bei einem unzureichenden therapeutischen Ansprechen oder schlechter Verträglichkeit kommen die Wirkstoffe der „Zweitlinientherapie“ zur Anwendung. Hierzu zählen derzeit Regorafenib, Cabozantinib und Ramucirumab. Während Regorafenib und Cabozantinib prinzipiell bei allen Patienten in der Zweitlinie eingesetzt werden können, bleibt der Einsatz von Ramucirumab Patienten mit einem erhöhten AFP Wert vorbehalten (>400 ug/l).

Welcher Wirkstoff in der Erst- oder Zweitlinientherapie eingesetzt wird, ist individuell verschieden, denn nicht jeder Wirkstoff ist für jeden Patienten gleich gut geeignet Die Entscheidung, welcher Wirkstoff eingesetzt wird, trifft der Mediziner unter Abwägung aller Aspekte, um ein möglichst optimales Therapieergebnis zu erzielen.

Bevor ein systemisch wirkendes Medikament zur Therapie zugelassen wird, durchläuft es eine Vielzahl von klinischen Studien und Tests. Das ist notwendig, um die Wirksamkeit, aber auch die Verträglichkeit genau zu überprüfen. Derzeit wird in diesem Bereich viel geforscht und neue Wirkstoffe sind in der Entwicklung.

Für wen sind systemische Therapien geeignet?

Eine systemische Therapie wird für Patienten empfohlen, bei denen

  • viele Tumore vorliegen und ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung festgestellt wird (BCLC-Stadium C).
  • der Leberkrebs in andere Bereiche des Körpers gestreut hat.
  • der Lebertumor die Pfortader durchbrochen hat.
  • lokale Therapiemöglichkeiten (TACE/Embolisation) keinen Erfolg zeigen oder kurative Verfahren nicht mehr angewendet werden können.

Unter folgenden Umständen kann eine systemische Therapie ebenfalls in Betracht kommen:

  • Der Leberkrebs ist nach vorangegangener erfolgreicher Behandlung zurückgekehrt (Bildung eines Rezidivs). Voraussetzung ist jedoch, dass eine gute Leberfunktion und ein guter körperlicher Allgemeinzustand (ECOG-Status 0-2) bestehen.
  • Bei Patienten, die eine milde Zirrhose (Child Pugh A), jedoch viele einzelne Tumore haben, die nicht kurativ (RFA/Mikrowellenablation, Resektion, Transplantation) therapiert werden können.

Liegt bei einem Patienten eine moderate bis starke Zirrhose (Child Pugh B) vor, muss aus medizinischer Sicht eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken einer systemischen Therapie erfolgen und diese mit dem Patienten besprochen werden.

Ist die Zirrhose sehr stark ausgeprägt (Child Pugh C), wird eine systemische Therapie in der Regel nicht empfohlen, da sie keinen gesundheitlichen Nutzen für den Patienten bringt.

Für jede Therapieform gibt es weitere absolute und relative Ausschlusskriterien. So auch bei der systemischen Therapie. Diese sind sehr spezifisch und müssen mit dem behandelnden Ärzteteam gemeinsam besprochen werden.

Anwendung und Darreichungsform von systemischen Therapien

Die eingesetzten Wirkstoffe in der systemischen Therapie werden in Form von Tabletten oder Infusionen verabreicht. Die benötigte Menge ist von Wirkstoff zu Wirkstoff unterschiedlich und kann zusätzlich auch vom Körpergewicht oder weiteren Erkrankungen des Patienten abhängen. Wann und in welchen Abständen das Medikament eingenommen werden muss, ist ebenfalls sehr verschieden. Die Hersteller der Medikamente haben jeweils für ihren Wirkstoff genaue Empfehlungen zur Dosierung. Es wird demnach für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan erstellt.

 

Nebenwirkungen bei systemischen Therapien

Die Aufzählung beinhaltet lediglich die häufigsten Nebenwirkungen, weitere hier nicht aufgeführte Nebenwirkungen sind demnach möglich.

  • Durchfälle
  • Hand-Fuß-Syndrom
  • Veränderung des Blutbildes sowie Bluthochdruck
  • Verschlechterung der Nierenfunktion
  • Thrombosen
  • Oberbauchschmerzen
  • Gewichtsverlust
  • Abgeschlagenheit und Schwäche

Wichtig ist, dass Patienten mögliche körperliche Veränderungen genau beobachten und mit dem Arzt sofort besprechen. Dafür kann es hilfreich sein, ein Tagebuch über Symptome und Nebenwirkungen zu führen, in dem die Beobachtungen notiert werden. Einige Nebenwirkungen lassen sich gut mit Medikamenten behandeln oder durch eine geringere Dosierung des Medikamentes abmildern. Eine frühzeitige Behandlung der Nebenwirkung kann verhindern, dass es zu einem Abbruch der Therapie kommt. Die auftretenden Nebenwirkungen während einer systemischen Therapie sind in aller Regel normal und bedeuten keinesfalls, dass die Therapie nicht wirkt. Im Gegenteil – Nebenwirkungen können sogar ein Ausdruck dafür sein, dass der Patient gut auf die Therapie anspricht.

 

Therapiebegleitende Untersuchungen

Während einer systemischen Behandlung wird alle zwei bis drei Monate eine Computertomographie der Lunge (Thorax) und des Bauchraumes (Abdomen) durchgeführt. Alternativ kann auch ein MRT genutzt werden. Zusätzlich wird die Entwicklung des Tumormarkers Alpha-Fetoprotein (AFP) durch Blutuntersuchungen überprüft.