Zirrhose als Risikofaktor

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Zirrhose als Risikofaktor für die Entstehung eines HCC (Leberkrebs)

In den meisten Fällen entsteht Leberkrebs als Folge einer Leberzirrhose. Eine Leberzirrhose entsteht nicht spontan, sondern entwickelt sich über Jahre. Ihr voraus geht zunächst eine Entzündung der Leberzellen. Der Körper reagiert auf die Entzündung, indem er zunächst funktionsloses Bindegewebe in der Leber aufbaut. Diese vermehrte Bildung von Bindegewebe wird Fibrose genannt. Schreitet der Entzündungsprozess fort, sterben immer mehr Leberzellen ab und hinterlassen vernarbtes Gewebe. Diese Vernarbungen bezeichnen wir als Zirrhose. Der Körper versucht mit einer ungewöhnlich starken Zellvermehrung (Proliferation) dem Vernarbungsprozess entgegenzuwirken. Die dabei produzierten Zellen können durch die Entzündungen fehlerhaft sein. Die fehlerhaften Zellen wiederum können dazu führen, dass sich ein Tumor in der Leber entwickelt.

Die Leberzirrhose

Die Leber ist ein wichtiges Stoffwechselorgan und übernimmt vielfältige Aufgaben im Körper. Sie wandelt Nährstoffe um, speichert Energie und gibt diese bei Bedarf über die Blutbahn ab. Zudem ist sie auch eine große Drüse, denn sie produziert die Gallensäure. Die Galle ist wichtig für die Verdauung von Nährstoffen. Eine weitere Funktion der Leber ist die Beseitigung von Giftstoffen aus dem Körper. Die Leber nimmt sie auf, wandelt sie in ungiftige Stoffe um und sorgt dafür, dass sie ausgeschieden werden. Wenn die Leber durch eine Zirrhose (narbiger Umbau der Leberzellen) zunehmend an Funktionsfähigkeit verliert, kann sie diese wichtigen Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen. Eine Zirrhose kann weitreichende gesundheitliche Komplikationen verursachen:

Hepatische Enzephalopathie

Giftstoffe, wie beispielsweise Alkohol und Abbauprodukte des Stoffwechsels, können nicht mehr ausreichend gefiltert und abgebaut werden. Sie reichern sich im Körper an und nehmen Einfluss auf die Gehirnfunktion. In der Medizin werden diese Funktionsstörungen als Leber-Hirn-Funktionsstörung oder Hepatische Enzephalopathie (HE) bezeichnet. Erste Auswirkungen machen sich durch Konzentrationsstörungen und anhaltende Müdigkeit bemerkbar. Mit weiter abnehmender Funktionsfähigkeit der Leber kann es zu starker Verwirrtheit bis hin zum Verlust des Bewusstseins (Leberkoma) kommen.

Pfortaderhochdruck und Speiseröhrenkrampfadern

Aufgrund der Vernarbungen kann das Blut nicht mehr ungehindert durch die Leber fließen. Das Blut staut sich vor der Leber in der Pfortader auf und es kommt zu einem erhöhten Druck in der Pfortader (Pfortaderhochdruck oder auch portale Hypertension). Nach und nach bilden sich Umgehungskreisläufe aus. Diese Umgehungskreisläufe bestehen aus einem neu angelegten Netz aus Adern, die um die Leber herumlaufen. he Einer der Umgehungswege verläuft von der Pfortader über die Magenvenen in die unteren Speiseröhrenvenen. Die Venen der Speiseröhre sind sehr dünn und können dem stärkeren Druck auf die Gefäßwände nicht dauerhaft standhalten. Die Gefäßwände leiern aus und es bilden sich Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophargusvarizen). Es kann zu Blutungen in der Speiseröhre kommen. Auftretende Blutungen können Lebensgefahr bedeuten und müssen sofort behandelt werden.

Gelbsucht (Ikterus)

Beim Abbau des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) entsteht als „Abfallprodukt“ das sogenannte Bilirubin. Das Bilirubin wird über die Leber entsorgt. Bei einer Zirrhose gelingt der Leber diese Entsorgung nicht und es kommt zu einer Ansammlung von Bilirubin im Körper. Als Folge verfärben sich die Haut und das Weiße in den Augen gelblich. Im Urin macht sich das erhöhte Bilirubin durch eine dunkelgelbe bis bräunliche Färbung bemerkbar. In Folge der vermehrten Ablagerung von Bilirubin kann es dann zu starkem Juckreiz kommen.

Bauchwasser (Aszites)

In der Leber wird das sogenannte Albumin hergestellt. Das Albumin ist zuständig für den gleichbleibenden Druck und die Durchlässigkeit von Flüssigkeiten, die sich in den Gefäßen und den Körpergeweben befinden. Wird zu wenig Albumin hergestellt, gerät das System aus dem Gleichgewicht. Es kommt zu Wasseransammlungen im Bauchraum und in den Beinen. Gerade das Bauchwasser kann sich entzünden und zu gefährlichen Vergiftungen im Körper führen.

Hormonelle Störungen

Bei Männern ist die Potenzfähigkeit in der Regel stark beeinträchtigt. Gleichzeitig kann es zum Wachstum eines weiblichen Brustansatzes (echte Gynäkomastie) und einem Verlust der Bauchbehaarung (Bauchglatze) kommen. Bei Frauen zeigen sich die hormonellen Störungen durch ein Ausbleiben der Menstruation.

Eine Leberzirrhose kann sich durch weitere Symptome bemerkbar machen. Hierzu gehören u.a. Bauchschmerzen, Übelkeit oder Appetitlosigkeit sowie ein unerklärbarer Gewichtsverlust. Selten kann man unter dem rechten Rippenbogen Schwellungen ertasten.

Eine fortgeschrittene Zirrhose ist nicht heilbar, aber die möglichen Komplikationen behandelbar. Zudem muss eine bestehende Zirrhose in regelmäßigen Abständen (mind. alle 6 Monate) kontrolliert werden. Zu der regelmäßigen Überwachung der Zirrhose gehören in der Regel:

Ultraschall der Leber (Sonographie) oder Lebersteifigkeitsmessung (Elastographie)

Der Ultraschall und die Lebersteifigkeitsmessung ermöglichen Veränderungen und Abweichungen zum gesunden Lebergewebe zu erkennen. Die Elastographie ist in der Durchführung dem Ultraschall ähnlich. Durch einen besonderen Schallkopf und zusätzliche niederfrequente Wellen, kann gut ermittelt werden, wie stark die Zirrhose ausgeprägt ist.

Magenspiegelung

Bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie) wird ein Schlauch mit Kamera (Endoskop) durch den Mund in den Magen geführt. Sie dient der Erkennung von Veränderungen der Speiseröhren-, Magen- und Zwölffingerdarm-Schleimhaut. So können Krampfadern in der Speiseröhre entdeckt und frühzeitig behandelt werden.

Blutuntersuchungen

Untersuchung des Blutes